Die Augen des Hauses

gilt es zu pflegen und zu schützen, wie die eigenen.
Sind diese einmal zerstört ist es meist mit hohen Kosten verbunden sie wieder instandzusetzen.

Beispiele:

Tipps zum Umgang mit Fenstern im Baudenkmal und Denkmalschutz

Denkmalschutz-Fenster: Beschreibung

  • Historische Denkmalschutz-Fenster sind für das Erscheinungsbild eines Baudenkmals entscheidend und können auch für eine Denkmalzone bzw. ein Ortsbild insgesamt prägend sein. Bestimmte Fensterkonstruktionen und -beschläge sind charakteristisch für bestimmte Epochen. Die Art der Fensterkonstruktion steht zusätzlich in engem Zusammenhang mit den regional vorherrschenden Hauslandschaften und den mit ihnen verbundenen Konstruktionsmerkmalen. Die Teilung der Fenster kann gerade einer schlichten Fassade ihre Maßstäblichkeit geben.
  • Das vorherrschende Material für Fenster in historischer Zeit war Holz, wobei neben Nadelhölzern wie Kiefer und Fichte genauso widerstandsfähigere Harthölzer wie Eiche benutzt wurden. Seit dem neunzehnten Jahrhundert tritt auch Metall bei bestimmten Bauaufgaben vermehrt als Material im Fensterbau auf.
  • Im Denkmalschutz weisen Fenster eine Vielzahl von technischen Merkmalen und Besonderheiten auf. Es gibt Einfach-,Doppel-, Kasten- und Verbundfenster. Auch die Formen der Fensterstöcke und -rahmen sind unterschiedlich. Beispielsweise gibt es barocke Kreuzstockfenster, um 1900 entstandene Kämpfer und Kastenfenster, Stahlschiebefenster der 1920er Jahre etc. Ferner gibt es auch für die Öffnungsarten zahlreiche Variationen. Hier ist auf die Anzahl der Öffnungs- oder Lüftungsflügel, Oberlichter sowie die Art des Verschlussmechanismus (Vorreiber, Espagnolette, Basküleverschluß und Triebstange) und die damit verbundenen zeittypischen Fensterbeschläge und ihre Schmuckformen zu achten. Auch die Oberflächenbehandlung und Farbgebung eines Fensterrahmens, Öffnungsflügels oder Fensterladens spielt eine wichtige Rolle. Ebenso ist auch die Teilung der Glasflächen durch Sprossen aus Blei, Eisen und Holz zu achten.
  • Ein Fenster besteht nicht nur aus dem Material des Rahmens und seiner Konstruktion, sondern weist gelegentlich noch historisches Glas auf, das ebenfalls für bestimmte Epochen (Zylinderglas, Sechseckverglasung, etc.) und ihre zugehörigen spezifischen Befestigungstechniken (Bleiruten, Nuten, Windeisen, Kittung) charakteristisch ist. Die Glasoberfläche hat auf das Erscheinungsbild der Fassade, aber auch auf den jeweiligen Innenraum großen Einfluss. Dies gilt im Denkmalschutz für Buntglasfenster wie für blank verglaste Fenster. Ein Fenster mit leicht welligem Glas ruft andere Reflexionen hervor als ein Fenster mit Floatglasscheiben.

Die Erhaltung des Fassadenbildes von historischen Fenstern

  • Grundsätzlich besteht das Ziel der Denkmalpflege im Erhalt der überlieferten historischen Fenster als einem wichtigen Teil der baugeschichtlichen Aussage. Dies gilt im Baudenkmal wie in der Denkmalzone. Fenster stehen zum einem mit dem architektonischen Erscheinungsbild des Hauses, zum anderen mit der Innenarchitektur historischer Räume im Zusammenhang und können daher auch nicht losgelöst davon betrachtet werden. Gleichzeitig wirken Fenster in den städtebaulichen Raum hinein. Ein gestalterisch einheitliches Fassadenbild unter gleichzeitiger Aufgabe von historisch bedeutsamen Fenster kann nicht im Interesse der substanzorientierten Denkmalpflege liegen.
  • Historische Fenster sind in der Regel durch verschiedene Eingriffe zu ertüchtigen. Sie können handwerksmäßig repariert oder restauriert werden. Oft ist es ausreichend, Verschleißteile wie Wetterschenkel zu ersetzen oder Teile des Fensterstocks oder der Öffnungsflügel zu erneuern. Durch die Ergänzung mit einer Zusatzkonstruktion ist es möglich, Fenster wärme- und schalltechnisch zu verbessern (z.B. durch das Umrüsten zu Verbund-, Doppel- oder Kastenfenstern). Undichte Fenster können durch nachträglich eingefräste Dichtungen verbessert werden. Hierbei ist jedoch das Kondensationsverhalten in Abhängigkeit von der Fensterkonstruktion zu bedenken, weil durch falsch angebrachte Dichtungen ein historisches Fenster Schaden nehmen und unangenehme Beschlagerscheinungen auftreten können. Fensteranstriche sind auf die vorhandenen Untergründe abzustimmen und in der Regel möglichst diffusionsoffen zu wählen, historische Befunde sind zu berücksichtigen.

Austausch von Fenstern in denkmalgeschützten Gebäuden

  • Sollte die Möglichkeit des Erhaltes des historischen Fensterbestandes oder eines Teils desselben nicht bestehen oder sollte ein dem Denkmal oder der Denkmalzone konstruktiv oder gestalterisch unangemessener Fensterbestand vorhanden sein, dann ist bei einer Instandsetzungsmaßnahme über die Verwendung neuer, dem Denkmal oder Denkmalzone angemessener, Fenster nachzudenken. Diese Fenster sollten material-, werk- und formgerecht zu der dem Baudenkmal angemessenen historischen Fensterkonstruktion ausgebildet werden. Hierbei ist in der Regel Holz das geeignete Material. Neue Holzfenster im Baudenkmal oder Ensemble können immer nur ein Ersatz für den verloren gegangenen historischen Bestand sein und müssen daher auch nicht in jedem Fall bis ins letzte Detail dem historischen Bestand nachgebaut sein. Dennoch ist eine Konstruktion zu wählen, die - je nach Bedarf - schlanke Holzquerschnitte, die passende Teilung sowie Profilierung ermöglicht. Häufig kann man mit Kasten- oder Verbundfensterkonstruktionen, diesem Anspruch gerecht zu werden. Hierbei ist auf Details wie die Art und Anzahl der Öffnungsflügel und die Ausbildung der Wetterschenkel, Fensterbretter, Verblechungen der Sohlbänke und die Tiefe der Fensterrahmen zu achten. Hölzerne Wetterschenkel sind zu bevorzugen. Die Verwendung einer Isolierverglasung an der Innenscheibe eines Kastenfensters ist denkbar, die notwendig größeren Holzquerschnitte müssen allerdings gestalterisch bewältigt und sorgfältig detailliert werden.
  • Die Oberflächen historischer Denkmalschutz-Fenster wurden zur besseren Haltbarkeit mit verschiedenen weniger bis mehr pigmentierten ölgebundenen Farbanstrichen versehen. Die sterile Glätte moderner Kunstharzlacke entspricht nicht dem historischen Erscheinungsbild. Aus diesem Grund sollte auch der angemessenen Oberflächenbehandlung neuer Fenster Aufmerksamkeit geschenkt werden.
  • In vergangener Zeit in das Baudenkmal eingebaute, in Gestaltung und/oder Material unangemessene und daher denkmalpflegerisch unbefriedigende Fenster können nicht als Bezugsfall für den aktuell beabsichtigten Fensterersatz dienen.
  • Es ist notwendig, die geplanten neuen Fensterkonstruktionen anhand von Detailzeichnungen im Maßstab 1:10 bis zu 1:1 abzusprechen, denn verbal kann man kaum alle Details eindeutig festlegen. Gegebenenfalls sollten auch Musterfenster angefertigt werden.
  • Bei Umnutzungen von historischen Stallteilen zu Wohnzwecken ist vor allem auf die Maßstäblichkeit der neuen Fenster zu achten. Die Sprossung neuer Fenster sollte aber nicht an den Fenstern des Wohnteiles orientiert werden, weil dies die Ablesbarkeit der historischen Nutzungsaufteilung und damit den historischen Charakter des Bauernhauses verunklaren würden. Tennentore sollten erhalten bleiben, auch wenn sich hinter einer neuer Verglasungsebene nun Wohnräume befinden sollen. Ähnliches gilt auch für die Umnutzung von Räumen mit vormals industrieller Nutzung.

Neuverglasung (Isolierverglasung)

Die Verwendung von Isolierverglasungen birgt den Nachteil geringeren Lichteinfalls. Auch erfordern Gewicht und Machart der Scheiben größere Dimensionen für die Rahmen und Sprossungen, die häufig beidseitig nur aufgeklebt werden. Der Grundsatz der Werkgerechtigkeit ist damit nicht mehr eingehalten. Isolierglasfenster im Baudenkmal stellen keine optimale Lösung dar. Im Ensemble kann diese Lösung jedoch eine gangbare Variante sein. Falls eine Isolierverglasung nicht zu umgehen ist, können zur Reduzierung der Dimensionen glasteilender Sprossen verdeckte Metallprofile verwendet werden.

Kunststofffenster im Baudenkmal - Geht das?

  • Kunststofffenster sind seit den 1970er Jahren auf dem Markt. Anfangs waren sie mit zahlreichen konstruktiven Mängeln behaftet. Mittlerweile hat es zahlreiche technische Verbesserungen gegeben. Kunststofffenster sind heute, zumindest was die Erscheinung betrifft, auf den ersten Blick nicht immer vom Holzfenster zu unterscheiden. Gleichwohl ist die Imitation handwerklicher Detailbehandlung nicht im Sinne der Denkmalpflege, denn Kunststofffenster sind im Detail nicht formgerecht und insgesamt nicht material- und werkgerecht. Die perfekt glatte Oberfläche von Kunststofffenstern harmoniert nicht mit der von der Unregelmäßigkeit handwerklich verarbeiteter historischer Baumaterialien geprägter Fassade eines historischen Gebäudes. Auch das Alterungsverhalten von Kunststoffoberflächen entspricht nicht dem traditioneller Baustoffe, so dass im Laufe der Zeit mit einem optischen "Auseinanderaltern" zu rechnen ist.
  • Der Preis eines Fensters hängt heute weniger vom Material als von der Anzahl und Art der Öffnungsfunktionen ab. Ein Einflügelkippfenster ist immer billiger als ein Fenster mit vier Öffnungsflügeln. Einflügelkippfenster mit aufgeklebten Dekorationsteilen in Kippstellung führen hingegen jede historische Fassade ad absurdum. Grundsätzlich sind Oberlichter für die Entlüftung eines Raumes immer sinnvoller als Drehkippflügel.

Landesdenkmalpflege

  • Nach vorheriger Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege können Aufwendungen, die für die Restaurierung und Instandsetzung historischer Fenster oder ihre wärme- bzw. schalltechnische Nachrüstung entstehen, zuwendungsfähig sein, da sie dem Erhalt historischer Fenster dienen.
  • Steuerlich geltend gemacht werden können nach vorheriger Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege Aufwendungen, die bei einer denkmalverträglichen Erneuerung von Fenstern, sofern der Erhalt der ggf. vorhandenen historischen Fenster nicht möglich war.

  • Spezielles Fenstersystem mit Ruderstangenbeschlag nach außen zu öffnen
  • Schmale Sprossen, Kapitelle, Wasserschenkel, Zierleisten und Ornamentik sind möglich

Denkmalschutz Galerie

Damit dies auch in vollkommender Harmonie mit Ihrer Fassade geschieht, beraten wir Sie gerne bei der Auswahl des passenden Denkmalschutzprofils. Hier einige Beispiele mit objektbezogenen Denkmalschutzfenstern - Profilgestaltungen für Stilbauten, Villen und Denkmalgebäuden.

Fenster und Geschichte

Vorwort

Wir befinden uns hier im Städtedreieck Köln – Aachen – Düsseldorf. Hier ist seit der Energiewende das Hauptstandbein der deutschen Energieversorgung entstanden. Nach der Abschaltung der Atomkraftwerke wird der Hauptanteil des deutschen Stromverbrauchs hier vor Ort produziert und in nicht ganz unumstrittenen Doppel-Konvertern (www.konverterhalle-osterath.de/) von Wechsel in Gleichstrom umgewandelt. So kann dieser mit weniger Energieverlust in Regionen transportiert werden, (Phillipsburg) die bisher unabhängig von sogenannten Fremdquellen waren.

Dass dieser Strom aus fossilen Brennstoffen (Braunkohle) erzeugt wird, hört sich im ersten Moment völlig normal an. (eben Kohle oder was?) Dass dadurch aber auch tausende Menschen für immer und ewig ihr Zuhause verlieren, wird im restlichen Deutschland kaum wahrgenommen.

Da der Abbau von Braunkohle im Gegensatz zur Steinkohle im Tagebau gefördert wird, müssen hier die wunderschönen Ortschaften sowie Ländereien und Wälder weichen. Vor Ort nennt man dieses Phänommen auch: verheizte Heimat

Egal ob es sich hierbei um Schlösser – Kirchen – Klöster – Herrnhäuser – Wirtschaftshöfe oder nur das kleine Haus auf der Dorfstraße handelt, alles muss weg! Es ist schon schlimm genug, dass der meist hier im Ort geborene Mensch seine Heimat verliert. Aber ebenso tragisch ist der Verlust historischer Bausubstanz die hier in architektonischer als auch in materieller Hinsicht durchaus erhalten werden könnte. Historisch wertvolle Bauteile wie Fachwerkkonstruktionen – Fenster – Haustüren – Zimmertüren und Treppen sowie Baustoffe – Feldbrandsteine – Dachziegel – Schmuck und Zierelemente aus Naturstein könnten hier ausgebaut und einer erneuten Wiederverwendung zugeführt werden.

Hier nur einige Bildbeispiele von Fenstern – Haustüren – herrausragenden Bauwerken als auch auf den ersten Blick eher unscheinbare Häuser. Hier nur ein Beispiel wieviel interessante Details so ein Gebäude bei genauer Betrachtung freigibt.

Teil 1:
Die Entdeckung

Auf den ersten Blick erscheint dieses Haus fast unscheinbar, ja kaum auffallend neben all den anderen in diesem Straßenzug. Sieht man sich dieses jedoch mal genauer an, fallen einem hier doch so einige ungewöhnliche, wie auch ausgefallene Details auf.

Als Erstes möchte ich hier die Fenster nennen, deren Außenbekleidung bündig mit der Putzfassade verputzt ist und Rätsel aufgeben.

Hierzu jedoch später mehr!

Als Zweites fallen die aus dem Mauerwerk (?) hervorragenden, krumm und schräg abgesägten Hölzer der oberen Geschoßdecke auf. Dienten diese in früheren Zeiten zur Lastabtragung (Stütze) eines nicht mehr vorhandenen Dachüberstandes? Ebenso gibt der Abstand der einzelnen Hölzer untereinander Rätsel auf. Dieser ist einmal parallel in der Senkrechten zur Haustür, sowie im gleichen Abstand links und rechts der äußeren Fenster bis zum Hoftor angelegt.

Endet hier vielleicht der Ursprungsbau, der in einer späteren Epoche um die Hofeinfahrt verbreitert wurde? Die senkrecht verputzte Fuge an dieser Stelle spricht dafür, aber wir wissen es noch nicht.

Auch die Haustür scheint nicht mehr die wirklich erste Tür zu sein. Das Zusammenspiel zwischen ihr und den Fenstern harmoniert nicht ganz. Sie scheint eher aus der vermuteten Epoche des Um- und Anbaus zu stammen. Eine nähere Recherche ist hier angebracht.

Stand:
Können hier die letzten Besitzer ausfindig gemacht werden, und haben diese noch Bilder oder Schrifturkunden und Zeichnungen?

Über Informationen würden wir uns freuen!

Im Winkel fotografiert und doch unten schräg! Dies ist ein weiterer Hinweis auf ein nachträglich verputztes Fachwerkhaus.
Im Winkel fotografiert und doch unten schräg! Dies ist ein weiterer Hinweis auf ein nachträglich verputztes Fachwerkhaus.
Wundervoll schlank gehaltene Rahmen und Sprossenprofile, die dem Gesamteindruck dieses Fensters ausmachen.
Flächenbündig beigeputzter Fachwerkbalken der in der Verputzphase an der Unterkante schon ein wenig gelitten hat.
wunderschönes Kämpferprofil, bestens abgestimmt auf die Gesamtproportion
Wie schön mag dieses Haus wohl als Fachwerkhaus mit harmonisch passenden Fensterläden ausgesehen haben?

Besichtigungsrundfahrt

Bilder Immerath

Noch kann man mich auch von innen besuchen. Aber viel Zeit zur Erforschung meiner geschichtlich wertvollen Details bleibt nicht mehr! Also liebe Denkmalschützer, Architekten, Schüler, Studenten, Professoren, Bausubstanzforscher, Handwerker und Restauratoren, an mir und meinen umliegenden Gebäuden gibt es noch viel historisch wichtiges für die Nachwelt festzuhalten!